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Montag, 6. September 2010
Mesusa 7 - Baruch Ron erinnert sich an schreckliche Zeit

Besuch - Als Berthold Rindsberg wurde der Jude in Adelsdorf geboren. Im siebten Mesusa-Band ist seine Lebensgeschichte nachzulesen. 30 Exemplare wurden in hebräischer Sprache gedruckt. Zur Buchvorstellung waren sieben Nachkommen der Familie nach Franken gereist.

Adelsdorf - „Nicht vergessen, das ist der Sinn unseres Gedenkens.“ Diese Worte sprach Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) zur Begrüßung der jüdischen Gäste am Wochenende in Adelsdorf.

Angehörige der Familie Rindsberg, die einst in Adelsdorf lebte, besuchten die Gemeinde. Höhepunkt war die Vorstellung der Lebenserinnerungen von Baruch Rons „Mesusa 7 – Der Tag, an dem meine Schoah begann“ am Sonntagabend im Heppstädter Theater Kuckucksheim.


Die Besucher mit Bürgermeister Karsten Fischkal (links) am jüdischen Gedenkstein in Adelsdorf. Johanna Blum

Beim Besuch eines jüdischen Friedhofs, sei es in Deutschland, Israel oder rund um den Globus, fällt dem Beobachter auf, dass es keinerlei Blumenschmuck auf den Gräbern oder Grabsteinen gibt. Stattdessen liegen dort viele Steinchen, kleinere und größere. Diese Tradition stammt aus alter Zeit, als alle Gräber der Israeliten noch im Wüstensand lagen. Die Steinpyramiden auf den Gräbern sollten die Toten vor wilden Tieren schützen. Obwohl die heutigen Gräber nicht mehr in der Wüste liegen, blieb diese Tradtion erhalten.

So gingen am vergangenen Freitag auch die sieben jüdischen Gäste zusammen mit dem Adelsdorfer Bürgermeister und Johann Fleischmann, Leiter des Arbeitskreises Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach, in Adelsdorf diesem Brauch nach. Die Nachkommen von Baruch Ron (Eran, Miri, Neta und Noa aus Israel), der in Adelsdorf als Berthold Rindsberg im Dezember des Jahres 1924 geboren wurde, und von seinen Geschwistern Schlomoh (Yoav und Daphna aus Israel) und Rosi (Dr. David Wahl aus Denver/Colorado) waren anlässlich der Vorstellung des siebten Bandes der „Mesusa“-Schriften des Arbeitskreises um Johann Fleischmann nach Adelsdorf gekommen. In diesem Band erzählt Baruch Ron sein Leben, besonders die Kindheits- und Jugenderinnerungen.

Erstmals in Deutschland

Die Rindsbergs können ihre Familiengeschichte in Adelsdorf bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Noch im Jahr 1933 gab es mindestens 13 jüdische Familien im Ort und bis dahin lebten Christen und Juden in friedvoller Nachbarschaft zusammen. Vor knapp 15 Jahren waren Baruch und Schlomoh Ron das erste Mal nach Adelsdorf zurückgekehrt. Die Cousins David und Yoav, für die es damals der erste Besuch in Deutschland war, erinnern sich, dass sie alle sehr angespannt und verunsichert waren. Zu ihrer Freude gab es jedoch viele positive Begegnungen, aus denen sich im Laufe der Zeit persönliche Freundschaften entwickelt haben, die auch den aktuellen Besuch prägen.


Im Schlossgarten lauschen die jüdischen Besucher den Ausführungen von Kerstin Blum (rechts)

Bereits am Freitagnachmittag hatte die Gruppe unter Führung Fleischmanns den Zeckerner Judenfriedhof mit dem von Baruch Ron gestifteten Gedenkstein besucht. Anschließend begrüßte Bürgermeister Fischkal die Gäste am Mahnmal hinter der Sparkasse in Adelsdorf. Dieser Gedenkstein, auf dem auch die Namen einiger Angehöriger der Familie Rindsberg zu finden sind, wurde am 12. November 2000 gesegnet und eingeweiht. In alter jüdischer Tradition legte jeder der Gäste einen Kiesel in stillem Gedenken an seine gequälten und ermordeten Vorfahren auf dem Stein ab.

Schlossführung

Anschließend lud Fischkal die Gruppe in den Wappensaal des Schlosses ein, wo sie sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintrugen. David schrieb im Namen aller seine Eindrücke in englischer Sprache auf und Yoav übersetzte diese ins Hebräische. Im Anschluss ermöglichte der Bürgermeister seinen Gästen eine englischsprachige Schlossführung mit der Adelsdorferin Kerstin Blum. Mit großem Interesse folgten die Gäste ihren Ausführungen, schmunzelten über so manche historische Anekdote und bemerkten mit Erstaunen, wie eng die Geschichte Adelsdorfs spätestens seit dem 15. Jahrhundert mit seiner jüdischen Gemeinde verbunden war.

Großes Interesse zeigten die Besucher auch an der Art, wie heutige Generationen in Deutschland mit der Geschichte umgehen und der lebhafte Austausch wurde nur durch die frostigen Temperaturen gebremst.

Abends saßen alle noch mit Mitgliedern des Arbeitskreises im Nebensaal des Hotels Drei Kronen zum „Wiedersehen und Kennenlernen“ zusammen.

Abstecher nach Bamberg

Am Samstag besuchte die Gruppe mit Johann Fleischmann die Stadt Bamberg, wo der junge Baruch eine zeitlang gewohnt hatte und wo er auch die Reichsprogromnacht miterleben musste. Als Abschluss des Tages erlebten die Besucher in Heppstädts Theater Kuckucksheim das Stück „Der letzte Zug“.

Kügel sagt selbst in seinem Vorwort: „Die Handlung ist frei erfunden, basiert aber auf wahren Gegebenheiten“ – auch Baruch Rons Familiengeschichte erkennt der genaue Beobachter. Eine Geschichte, die von Liebe, Leid, Vertrauen und Misstrauen erzählt: Im Jahre 1945 blicken die einzigen Überlebenden einer großen jüdischen Familie bei einem Schachspiel Zug um Zug auf die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zurück.

Trotz der Sprachbarriere waren die Gäste beeindruckt von der ausdrucksstarken Musik, den jiddischen Liedern und den historischen Originalaufzeichnungen von Zeitzeugenberichten. Am Sonntagvormittag machte die kleine Gruppe einen Abstecher nach Fürth.

Quelle: www.infranken.de
von Johanna Blum

 
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